Von der Inspiration zum Handeln

Es tut sich etwas im Bildungssystem. So scheint es zumindest. Es gibt einige bekannte Köpfe, die durch die deutschsprachigen Lande touren und Inspiration sind für Menschen an Schulen, die sich auf den Weg machen möchten, Bildung umzugestalten. 

Stefan Ruppaner, ehemaliger Schulleiter der preisgekrönten Alemannenschule Wutöschingen, benennt den Unterricht als aller Übel Anfang und versucht damit den Blick darauf zu lenken, was zählt, das Lernen und die Lernfreude der Kinder. Gleichzeitig setzte er sich mit seinem Team dafür ein, ein Materialnetzwerk für Schulen zu entwickeln. 

Micha Pallesche von der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe, Preisträger des Schulpreises mit dem Thema Demokratie 2025, erzählt von seiner „Schule zum Mitmachen“ und regt in vielfältiger Form dazu an, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräften Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zu geben und die Schule zum Motor bzw. Knotenpunkt im Quartier werden zu lassen. 

Bob Blume, fast überall präsent inzwischen, legt mit seiner Arbeit immer wieder offen, wo die wunden Punkte des Bildungssystems liegen. Er stellt die Frage, wie Schule heute sinnvoll gestaltet werden kann. In seinem Buch „Warum noch lernen?“ arbeitet er Vorschläge aus, wie Lernen sinnvoll, chancengerecht und an der digitalen Realität orientiert werden kann. Er fordert, eine gesamtgesellschaftliche Vision zu entwickeln, an der sich Bildungshandelnde orientieren können.

Diese Persönlichkeiten (und noch viele andere) tragen dazu bei, dass sich diejenigen im Bildungssystem, die etwas verändern wollen, aufrichten und orientieren können. Dafür dürfen wir dankbar sein. Mir selbst geht es jedenfalls so. 

Gleichzeitig schrieb bereits ca. 2018 Andreas Hofmann, ein Veteran der zukunftsorientierten Fortbildungen in Deutschland, dass es nirgends so dunkel sei wie am Fuße des Leuchtturms und kritisierte damit, dass gerade die leuchtenden Beispiele verdecken, dass sich in der Breite eben zu wenig bewegt. 

Dafür kann man die erfolgreichen, öffentlich sichtbaren Bildungsmenschen natürlich nicht verantwortlich machen. Und doch wird so deutlich, dass es vermutlich noch etwas anderes braucht. All diese Menschen an Schulen, die etwas in Bewegung bringen möchten, haben zwar nun eine Vorstellung, wie es an bestimmten Orten gut funktioniert hat – mit sehr unterschiedlicher Herangehensweise: Mal mit sehr viel Mut, Ärger, Konfrontation, mal durch konsequente Beteiligung, mal durch Beharrungskraft etc. 

Aber wie komme ich nun an meiner eigenen Schule weiter mit den Ideen? Was passt zu meinem Standort, zu den Menschen in meinem schulischen Umfeld, wie nehme ich sie mit? Hier braucht es konsequente Begleitung und Inspiration im Prozess. Hier möchte ich drei Beispiele erwähnen:

Benjamin Köhler und sein Team vom Königin-Charlotte-Gymnasium in Stuttgart (www.tiefer-lernen.de) haben (Stand: Ende 2025) bereits über 1400 Lehrkräfte im KI-Einsatz in der Schule fortgebildet. Unentgeltlich und ohne jegliche Förderung der Kultusverwaltung; einfach, weil sie daran glauben, dass es eine didaktische Orientierung für demokratische Gesellschaften in Zeiten von KI braucht. Es gibt inzwischen ein ziemlich großes Netzwerk an Schulen, die sich hier verbunden haben. Hier wird gesellschaftliche Transformation übersetzt in schulische Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Nach pädagogischen Tagen arbeiten die Schulen weiter an dem Thema und vernetzten sich thematisch.

Berit Moßbrugger  und Til Jaspert vom Innovation Hub haben mithilfe einiger Stiftungen das Deutsche Lehrkräfteforum so aufgestellt, dass mutige Schulentwicklungsteams über einen längeren Zeitraum im Prozess begleitet und methodisch geschult werden. So werden sie in die Lage versetzt, schulische Veränderungsprozesse in Gang zu bringen und nachhaltig zu gestalten. Ich selbst habe auch zwei Teams begleiten lassen dürfen, die an unserer Schule nun ein Sportprofil sowie ein umfangreiches Mentoring-System entwickeln, ausgehend vom „Forum Schulentwicklung“, einem Think-Tank aus Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften am Bischof-Sproll-Gymnasium. 

In unserer eigenen Arbeit (www.vomkindaus.de) begleiten Ruth Stocker und ich seit über zwei Jahren Schulsprengel in Südtirol bei ihren Entwicklungsprozessen. Auch die Kultusverwaltung selbst hat bereits aktiv mitgemacht. Die Veranstaltungen ziehen sich über ein Jahr hin, beginnen mit der Ermutigung, mit Vision-Building, mit dem Aufbau von Partizipationsstrukturen und der konkreten Umsetzung von Ideen. Methodisch versuchen ein Rüstzeug mitzugeben, damit die Schulen sich eigenständig weiterentwickeln können und ebendiese permanente Schulentwicklung selbstverständlich wird.

Was mir dabei immer auffällt: Ohne die ermutigenden Inspirationen der oben genannten Persönlichkeiten wäre es schwierig, den Prozess in Gang zu bringen. Umgekehrt: Ohne das Handwerkszeug haben die Inspirationen allerdings auch Frustpotenzial. Es braucht beides. Dies sollte beim Veranstaltungsdesign unbedingt berücksichtigt werden. 

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